Madalina Hostiuc

Emotionen und Gedächtnis – der Beitrag moderner Forschung zum kollektiven Unbewussten

„Das Unbewusste, betrachtet als der historische Hintergrund der Psyche, enthält in konzentrierter Form die ganze Abfolge der Engramme, welche seit unmessbar langer Zeit die jetzige psychische Struktur bedingt haben.“ – C. G. Jung, Psychologische Typen

Archetypische Symbole und Bilder faszinieren Menschen in allen Kulturen und lösen zugleich eine gewisse Vertrautheit und fortwährendes Staunen aus. Wie diese im Gehirn «kodiert» werden und worin ihr Ursprung und Beitrag zur menschlichen Bewusstseinsentwicklung liegen, sind Rätsel, denen sich die modernen Wissenschaften mit zunehmendem Auflösungsgrad annähern.

In diesem Vortrag soll anhand aktueller Entwicklungen aus der Gedächtnis- und Emotionsforschung eine Art Landkarte der Psyche erstellt werden, die die Komplextheorie von C. G. Jung auf eine aktuelle naturwissenschaftliche Basis stellen soll. Der Begriff «Engramm», d.h.Gedächtnisspur, wurde erstmals 1904 durch den deutschen Evolutionsbiologen Richard Semon eingeführt, um die neuronale Basis der Gedächtnisspeicherung zu beschreiben. Als kleinste Einheiten des Gedächtnisses lassen sich Engramme ein Jahrhundert später auf zellulärer und synaptischer Ebene lokalisieren und beeinflussen, um beispielsweise die Gedächtniskonsolidierung bei Trauma- oder Suchterkrankungen zu modulieren. Dies wird u.a. am Beispiel eines interdisziplinären Forschungsprojekts der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich und der Universität Zürich veranschaulicht. Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung betonen die starke Verknüpfung zwischen inneren Bildern, Emotionen und im Gedächtnis gespeicherten Erfahrungen, was zunehmend im klinischen Kontext und für zukünftige Therapien genutzt wird.

Bio

Madalina Hostiuc (*1991), aufgewachsen in Rumänien und Deutschland, Studium der Humanmedizin in München (2012-2019). Assistenzärztin im dritten Weiterbildungsjahr und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Laufende Promotion in der Schizophrenie-Grundlagenforschung an der Ludwigs-Maximilians-Universität München. Seit Januar 2021 in Psychotherapie-Weiterbildung am C. G. Jung Institut Zürich.

Interessensschwerpunkte: Zirkadiane Rhythmik und die molekulare Uhr, Kreativitätsforschung, bipolare und Schizophrenie-Spektrum-Störungen, Zusammen-führung tiefenpsychologischer und neurobiologischer Ansätze

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