Véronique Liard

Schreiben als Individuationshilfe. Literatur und analytische Psychologie

Jung hat sich früh und dauerhaft mit Literatur beschäftigt: Goethe, Schiller, Dante, Haggard, E.T.A. Hoffmann, Hölderlin, Kubin, Nerval, um nur einige der zahlreichen Autoren zu nennen, die in den Gesammelten Werken präsent sind. Jung analysierte in mehreren Texten die Beziehungen zwischen analytischer Psychologie und Literatur.

In einem ersten Teil soll ergründet werden, was SchriftstellerInnen im 20. und 21. Jahrhundert über das Schreiben sagten bzw. sagen: für die meisten ist Schreiben ein Schöpfen aus dem Unbewussten, ein aus Gefühlen und Schmerzen herrührender Drang, der allerdings zum Wiederholungszwang werden kann, wenn die emotionalen Konflikte auf der Ebene der Ästhetik bleiben und nicht verarbeitet bzw. integriert werden.

In einem zweiten Teil soll das Werk von Patrick Roth angesprochen werden. Roth bekennt sich zur Tiefenpsychologie C.G. Jungs, die eine der Grundlagen für seine Erzählungen und Romane darstellt, in denen es durch den Bau einer Brücke zwischen Literatur und analytischer Psychologie zu einer Reifung und Verwandlung kommen soll.

Im dritten Teil wird das therapeutische Schreiben angesprochen, das dem Menschen, deren Gefühle in einer auf Rationalität und Effizienz drängenden Welt unerwünscht und Beiseite geschoben werden, ermöglicht, nicht nur eine unzensierte Zuflucht zu finden sondern auch die Realität der Gefühle und ihre Wirkung zu spüren, so dass es zu einer Verarbeitung der zu Tage geförderten Elemente und zu einer Einheitserfahrung kommt, nicht nur zwischen Seele und Geist, sondern auch zwischen Seele, Geist und Körper.

Bio

Univ.-Prof. Dr. Véronique Liard

  • Germanistikprofessorin an der Universität Dijon.
  • Habilitationsschrift über C.G. Jung.
  • Zahlreiche Artikel über verschiedene Aspekte von Jungs Denken. Forschungsschwerpunkte: C.G. Jung, Literatur und analytische Psychologie, Kultur, Individuum und Gesellschaft, Alchemie.
  • Ehrenmitglied der SFPA (Société Française de Psychologie Analytique)
  • Mitglied der C.G. Jung-Gesellschaft Stuttgart
  • Vorträge im C.G. Jung-Institut Küsnacht, bei C.G. Jung-Gesellschaften, bei Symposien und Tagungen
  • Beteiligung an der Übersetzung von Jungs Rotem Buch
  • Übersetzung von C.G. Jungs Ein moderner Mythos ins Französische
  • Übersetzung von Erich Neumanns Werken ins Französische

Publikationen

  • C.G. Jung, philosophe de la culture, Presses de l’Université Paris-Sorbonne, collection « Mondes Germaniques », 2007 (Habilitationsschrift).

  • Les Grandes Images – Lecture de Carl Gustav Jung (mit Dr. phil. habil. Georges Bertin, Soziologe), Presses de l’Université Laval (Canada), Collection « Lectures », 2005.

  • Carl Gustav Jung (1985 – 1961). Pour une réévaluation de l’œuvre. C.G. Jung – Ein neuer Zugang zum Gesamtwerk (mit Chr. Maillard, Université de Strasbourg), Recherches Germaniques, hors-série no. 9, 2014.

  • Le Livre Rouge de C.G. Jung, imagination active et mundus imaginalis [in] Georges Bertin, Lauric Guillaud (Hrsg.) : Topologies de l’imaginal, Paris, Editions du Cosmogone, 2020, S. 47-58.

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